Menschen und Erfahrungen
Meine Familien
Ich habe zwei Familien. Meine Adoptiveltern in Wilhelmsdorf haben mich großgezogen, dazu kommen zwei Brüder. Mein Adoptivvater starb im Mai 2017 sehr überraschend. Ich bin froh, dass er den Beginn meines Weges noch miterlebt und mich unterstützt hat. In einer Mail schrieb er mir 2015, ob Mann, Frau oder Transgender, das sei meine Sache, und später sagte er in der Familie, mein Weg sei der richtige. Das waren die wohl schönsten Worte, die ich je von ihm gehört habe.
Meine leiblichen Eltern habe ich ab 1991 gesucht. Ich fand meinen Vater in Berlin schnell, im April 1992 kam der erste Brief meiner leiblichen Mutter. Von 1996 bis 2007 lebte ich in Berlin, zuerst bei meinem Vater, und lernte meine Halbgeschwister und Brüder kennen. Ich fühlte mich dort sofort zu Hause. Im Dezember 2007 starb mein leiblicher Vater. Zu meiner leiblichen Mutter riss der Kontakt nach einer Begegnung 1993 ab. Im März 2023 schrieb ich ihr einen Brief, und im Juni 2023 sahen wir uns in Sulz am Neckar wieder.
2024 fragte meine Mutter, ob sie mich wieder adoptieren dürfe. Im Mai 2025 wurde die Rückadoption rechtskräftig. Ich bin damit wieder die Tochter meiner leiblichen Mutter.
Meine Frau Michelle
Meine Frau Michelle lernte ich in einer Selbsthilfegruppe kennen. Am 12. Oktober 2016 sagte ich ihr, dass ich mich in sie verliebt hatte, ein Datum, das für uns zählt. Sie hat sich in einer psychisch schweren Phase um mich gekümmert und trägt mich bis heute mit. Nach der Einführung der Ehe für alle am 1. Oktober 2017 beschlossen wir zu heiraten. Am 12. Oktober 2018 heirateten wir in Stockach, als erstes transgeschlechtliches und gleichgeschlechtliches Ehepaar in Baden-Württemberg, mit Presse und Fernsehen. Meine Kleider wurden uns buchstäblich auf den Leib genäht, ein Teil fertig, als ich sie schon anprobierte. Es war meine dritte Hochzeit und die schönste.
Michelle war mit mir im Vorstand des CSD Konstanz und führte 2019 mit mir den ersten Trans Pride in Stuttgart an.
Mein Sohn
Ich habe einen Sohn. Die Beziehung zu ihm brach ab, und die Trennung von meinem Sohn gehört zu den schmerzhaftesten Dingen meines Lebens. Mehr schreibe ich hier nicht, aus Rücksicht auf ihn.
Freundschaften und Gemeinschaft
Es gab Menschen, die mich in schwierigen Phasen aufgefangen haben: Freundinnen aus der Selbsthilfe, eine Schwester, die mir in den dunkelsten Wochen 2007 zur Seite stand, eine Schwägerin, die mich 2017 zum Buch ermutigte. Es gab auch viele Begegnungen, die mir etwas beibrachten, auch weil sie schiefgingen. Ich war lange ein Mensch, der sich mehr um andere kümmerte als um sich selbst. Auch das gehört zu meiner Geschichte.