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Die Anfänge

Ich wurde am 14. Juli 1972 in Berlin-Schöneberg geboren. Mit vier Wochen kam ich in ein Kinderheim, mit rund eineinhalb Jahren zu meinen Adoptiveltern. Die Umstände der Adoption waren belastend. Wie viel Zwang und wie viele tragische Umstände damals eine Rolle gespielt haben, habe ich erst viel später verstanden.

Meine Adoptiveltern waren beide Mathematiklehrer an einem Gymnasium in Wilhelmsdorf, einem Ort bei Ravensburg, rund 50 Kilometer vom Bodensee. Wir lebten zuerst kurz in Bonn, dann in einer Lehrerwohnung auf dem Schul- und Internatsgelände, mein Vater leitete dort ein Internatshaus. Ich bekam zwei jüngere Brüder, der erste wurde 1974 geboren, der zweite, als ich zehn war. Meine Adoptiveltern haben mir eine behütete Kindheit geschenkt, und ich weiß heute, dass sie mich genauso liebten wie ihre leiblichen Kinder.

Geige, Klavier und Venedig

Mit vier oder fünf Jahren bekam ich eine Kindergeige und später Unterricht an der Musikschule in Ravensburg, mit sechs kam das Klavier dazu. Ich hatte ein gutes Gehör, spielte in großen Orchestern und bei Konzerten, meist als erste oder zweite Geige. Meine Eltern reisten viel mit uns: jedes Jahr zu Pfingsten nach Venedig auf denselben Campingplatz, dazu Frankreich, Spanien, England, Kroatien, Skandinavien, Kirchen, Schlösser und Museen. Wir paddelten auf der Ardèche, fuhren Wasserski in Istrien, segelten und surften auf dem Bodensee. An vieles davon erinnere ich mich kaum. Meine Eltern kennen die Reisen noch auf den Tag genau.

Schon als Kind anders gesehen

Im Kindergarten spielte ich lieber mit den Mädchen und ihrem Spielzeug, und niemand machte sich Gedanken darüber. Das änderte sich in der Grundschule. Ich wusste schon als kleines Kind, dass die Welt mich anders sah, als ich mich selbst fühlte. Spätestens in der zweiten Klasse wurde daraus das sichere Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Beim Völkerball wurde ich zu den Jungs geschickt, auf dem Pausenhof von den Mädchen weg und bei den Jungs zur Zielscheibe. Ich zog mich in die hinterste Ecke zurück und baute eine Mauer um mich, die mich schützte und vom Rest der Welt trennte.

Im Gymnasium und im Internatsumfeld wurde ich als Streber mit Brille gehänselt, ich wehrte mich nie. Aus dieser Zeit kommt auch Schönes: Ein Lehrer drehte mit Schüler*innen Slapstickfilme, bei „Angriff der Killerhasen“ spielte ich mit. Der Film hat bis heute Spuren im Netz.

Pubertät und Leistungssport

Mit zwölf begann die Pubertät, mit Stimmbruch und Gesichtshaaren, und mit ihr kam eine Wut, die ich vor allem gegen mich selbst richtete. Meine Eltern schickten mich zu Psychologen und Psychotherapeuten, ich verschwieg das Entscheidende. Als Reaktion auf Mobbing und Ablehnung wurde ich zu dem, was man von einem Jungen erwartete. Ich trieb Leistungssport, vor allem Leichtathletik und Hochsprung, und holte bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften einen zweiten Platz. Dazu kamen Bodybuilding und Taekwondo. Geige und Klavier gab ich auf, sie schienen mir nicht männlich genug. Ich lernte stattdessen E-Gitarre und später Schlagzeug.

Mit 14 ging ich für ein halbes Jahr als Austauschschülerin in die Nähe von Paris. Ich liebe bis heute das französische Frühstück, sonst ist von der Sprache wenig geblieben. Meine zweite Sprache ist Englisch, weil ich in der IT und im Internet damit lebe. 1989 machte ich die Mittlere Reife.

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